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Fernerkundung·7 Min. Lesezeit·2026-02-21

Vegetationsindex Vergleich: NDVI vs EVI vs SAVI

NDVI, EVI oder SAVI — welcher Vegetationsindex ist der richtige für Ihre Anwendung? Ein detaillierter Vergleich der Stärken, Schwächen und Einsatzbereiche der wichtigsten Indizes für die Landwirtschaft.

Warum Vegetationsindizes wichtig sind

Vegetationsindizes transformieren die Rohreflexion von Satellitenbildern in einfach interpretierbare Kennzahlen für den Pflanzenzustand. Statt 13 einzelne Sentinel-2-Bänder zu analysieren, liefert ein Index einen einzigen Wert pro Pixel, der direkt mit agronomisch relevanten Parametern wie Chlorophyllgehalt, Blattflächenindex oder Biomasse korreliert. Die Wahl des richtigen Index hängt von der Anwendung ab: NDVI, EVI und SAVI betonen jeweils unterschiedliche Aspekte des Reflexionssignals und haben spezifische Stärken und Schwächen. Der universell beste Index existiert nicht — vielmehr gibt es für jede Situation einen optimalen Index. Diesen zu kennen und gezielt einzusetzen, ist der Schlüssel zu belastbaren Fernerkundungsanalysen. In der Praxis verwenden die meisten Landwirte den NDVI als Standard-Index, weil er intuitiv verständlich, weit verbreitet und für die meisten Anwendungen ausreichend ist. In bestimmten Situationen — hohe Biomasse, spärliche Vegetation, starker Bodenhintergrund — liefern EVI oder SAVI jedoch deutlich bessere Ergebnisse.

NDVI im Detail

Der NDVI (Normalized Difference Vegetation Index) ist der bekannteste und am längsten verwendete Vegetationsindex. Seine Formel NDVI = (NIR − Rot) / (NIR + Rot) nutzt die beiden fundamentalen Reflexionseigenschaften grüner Vegetation: starke Absorption im Roten (durch Chlorophyll) und starke Reflexion im nahen Infrarot (durch Blattstruktur). Bei Sentinel-2 werden Band 8 (NIR, 842 nm) und Band 4 (Rot, 665 nm) verwendet. Stärken: Der NDVI reagiert sensitiv auf Unterschiede in der Vegetationsdichte und dem Chlorophyllgehalt bei geringer bis mittlerer Biomasse. Er ist einfach zu berechnen, intuitiv verständlich (0 = kein Grün, 1 = maximales Grün) und durch Jahrzehnte der Forschung bestens validiert. Für die meisten ackerbaulichen Anwendungen — Bestandsüberwachung, Früherkennung von Stress, Vergleich über die Saison — ist der NDVI die beste Wahl. Schwächen: Der NDVI sättigt bei hoher Biomasse (Blattflächenindex > 3–4). Das bedeutet: Zwischen einem mittelmäßig dichten und einem sehr dichten Weizenbestand unterscheidet der NDVI nicht — beide zeigen Werte um 0,85. Außerdem wird der NDVI bei spärlicher Vegetation stark vom Bodenhintergrund beeinflusst: Trockener heller Boden ergibt niedrigere NDVI-Werte als feuchter dunkler Boden — selbst bei identischer Vegetation. Atmosphärische Einflüsse (Dunst, Aerosole) verfälschen den NDVI zusätzlich.

EVI im Detail

Der EVI (Enhanced Vegetation Index) wurde speziell entwickelt, um die Sättigungsproblematik des NDVI bei hoher Biomasse zu reduzieren. Seine Formel lautet: EVI = 2,5 × (NIR − Rot) / (NIR + 6 × Rot − 7,5 × Blau + 1). Die Einbeziehung des Blau-Kanals (Band 2 bei Sentinel-2) korrigiert atmosphärische Streueffekte, und die Koeffizienten sind so gewählt, dass der Index bei hoher Biomasse noch differenziert. Stärken: Der EVI bleibt bei hoher Biomasse sensitiver als der NDVI — er differenziert noch zwischen dichten und sehr dichten Beständen, wo der NDVI bereits bei 0,85+ gesättigt ist. Das macht ihn besonders wertvoll für Mais (sehr hoher LAI im Juli/August), intensiv gedüngten Winterweizen im Ähren schieben und tropische Vegetation. Zudem ist der EVI weniger anfällig für atmosphärische Störungen als der NDVI. Schwächen: Der EVI erfordert den Blau-Kanal, der bei Sentinel-2 nur in 10 m Auflösung vorliegt — kein Nachteil bei Sentinel-2, aber ein Einschränkung bei einigen anderen Sensoren. Die Interpretation ist weniger intuitiv als beim NDVI, da die Wertebereiche anders liegen (typisch 0,1–0,6 statt 0,1–0,9). In der Praxis wird der EVI seltener eingesetzt als der NDVI, was die Vergleichbarkeit mit Referenzdaten einschränkt.

SAVI im Detail

Der SAVI (Soil Adjusted Vegetation Index) adressiert das Bodenhintergrund-Problem des NDVI. Seine Formel lautet: SAVI = (NIR − Rot) / (NIR + Rot + L) × (1 + L), wobei L ein Korrekturfaktor ist, der typischerweise auf 0,5 gesetzt wird (moderater Bedeckungsgrad). Bei spärlicher Vegetation (Keimung, weite Reihenabstände) reduziert der L-Faktor den Einfluss der Bodenhelligkeit auf das Ergebnis. Stärken: Der SAVI ist besonders wertvoll in der frühen Vegetationsphase (Keimung bis Bestandsschluss), wenn noch viel Boden sichtbar ist. Für Mais nach der Aussaat (Mai/Juni), Zuckerrüben vor dem Reihenschluss und Getreide im Bestockungsstadium liefert der SAVI realistischere Vegetationswerte als der NDVI. Auch auf Standorten mit hellen Böden (Kreide, Sand, Löss) oder in Regionen mit häufig trockenen Bodenoberflächen ist der SAVI dem NDVI überlegen. Schwächen: Bei geschlossenem Bestand (Bedeckungsgrad > 70 %) konvergiert der SAVI zum NDVI — der Boden ist dann nicht mehr sichtbar, und die Korrektur wird überflüssig. Der feste L-Wert von 0,5 ist ein Kompromiss; der optimale L-Wert hängt eigentlich vom tatsächlichen Bedeckungsgrad ab, der aber gerade das ist, was man messen möchte. In der Praxis wird der SAVI daher vor allem gezielt in der frühen Saison eingesetzt und später durch den NDVI oder EVI ersetzt.

Vergleichstabelle

Sensitivität bei geringer Biomasse: NDVI mittel, EVI mittel, SAVI hoch. Der SAVI wurde für genau diese Situation optimiert und minimiert den Bodeneinfluss auf die Messung. Sensitivität bei hoher Biomasse: NDVI niedrig (sättigt), EVI hoch, SAVI mittel. Der EVI differenziert dichte Bestände deutlich besser. Atmosphärische Robustheit: NDVI niedrig, EVI hoch (durch Blau-Band-Korrektur), SAVI niedrig. Einfachheit der Berechnung: NDVI benötigt 2 Bänder, EVI 3 Bänder, SAVI 2 Bänder plus Korrekturfaktor. Verbreitung und Vergleichbarkeit: NDVI sehr hoch (Standard seit 1970er), EVI mittel (Standard bei MODIS seit 2000), SAVI gering (Nischenanwendung). Korrelation mit Ertrag: Alle drei Indizes zeigen ähnliche Korrelationen mit dem Endertrag (r = 0,5–0,7), wobei der optimale Index je nach Kultur und Wachstumsstadium variiert. Empfohlener Einsatzbereich: NDVI als Standard-Index für die gesamte Vegetationsperiode, für Bestandsvergleiche über die Saison und für die Kommunikation mit Beratern und Behörden. EVI für Hochertragskulturen (Mais, Intensivweizen) und in der Hauptwachstumsphase, wenn der NDVI sättigt. SAVI für die Früherkennung nach Aussaat, für Reihenkulturen vor Reihenschluss und auf hellen Standorten.

Welcher Index wann?

Für die allgemeine Bestandsüberwachung über die gesamte Saison ist der NDVI die pragmatische Wahl. Er hat die längste Forschungshistorie, die breiteste Datenbasis und wird von allen Plattformen unterstützt. Wenn Sie nur einen Index nutzen wollen, nehmen Sie den NDVI. Setzen Sie den EVI gezielt ein, wenn Sie mit dichten Beständen arbeiten. Insbesondere bei Mais ab dem 8-Blatt-Stadium, bei intensiv gedüngtem Winterweizen ab dem Schossen und bei Zweitfrucht-Begrünungen liefert der EVI differenziertere Informationen. Auch für die Biomasseabschätzung bei hoher Vegetation ist der EVI dem NDVI überlegen — wichtig für die Abschätzung des N-Aufnahme-Potenzials in der späten Düngephase. Den SAVI brauchen Sie vor allem in der frühen Saison und auf heterogenen Standorten mit wechselnder Bodenhelligkeit. Nutzen Sie den SAVI von der Aussaat bis zum Bestandsschluss (Bedeckungsgrad < 50–60 %), um eine von Bodenunterschieden bereinigte Vegetationskarte zu erhalten. Messier76 berechnet alle drei Indizes automatisch und zeigt Ihnen den jeweils empfohlenen Index basierend auf der aktuellen Bestandsentwicklung.

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